Ralf Kirberg mit Harmut Stielow - Gründer von sculpture network
Ralf Kirberg im Skulpturenpark Köln, Skulptur "Vivi" von Christina Doll

Eine Liebeserklärung

von Ralf Kirberg

Als ich 17 Jahre war, entflammte in mir eine Liebe, die mein Leben bis heute bereichert. Damals erreichte ich mit schwer bepacktem Rucksack die Stadt Calais. Schnaufend machte ich mich auf den Fußmarsch zur Kanalfähre nach Dover. Als ich mich plötzlich vor Rodins Skulptur „Die Bürger von Calais“ wiederfand, war alle Anstrengung vergessen. Die dargestellten Figuren haben mich mit ihrer Dramatik so vielfältig berührt wie kein anderes künstlerisches Werk zuvor. Es war Liebe zur Skulptur auf den ersten Blick. Doch schon damals wurde mir sofort ein Problem bewusst: für’s Wohnzimmer eindeutig zu groß!

Was hier etwas spaßhaft klingen mag, ist ein ernsthafter Hemmschuh für die Rezeption der Skulptur. Man erlebt die Skulptur in der Regel nur monumental im öffentlichen Raum. Ich selbst habe nach dieser ersten intensiven Begegnung noch 18 Jahre gebraucht, ehe ich 1974 meine erste Skulptur erwerben konnte. Während wir mit Bildern an den Wänden aufwachsen, sind uns die Werke der Bildhauer eher fern. Der Weg dorthin ist nicht so leicht zu finden. Wir möchten Menschen dabei helfen, ihn zu entdecken.  

Gemeinsam  

Die Idee zu sculpture network entstand 2003 durch eine eher zufällige Begegnung mit Hartmut Stielow. Der Bildhauer war damals begeistert von einer Netzwerk-Idee, die er in den USA kennengelernt hatte. Bis dato waren die verschiedenen Zirkel in der Bildhauerei jeweils unter sich: Auf der einen Seite die Künstler, auf der anderen die Kunstliebhaber, hier die Galeristen, dort die Museen – und das alles auch noch unterteilt in nationale Gruppen.

Der Gedanke, ein Netzwerk aufzubauen, das diese verschiedenen Menschen in Kontakt bringt, erschien auch mir verlockend.
Aus dem harmlosen Atelierbesuch bei Hartmut Stielow wurde eine Art Rütlischwur, der im Mythos ja auch die Keimzelle eines Bundes war. Wir hatten von diesem Moment an ein gemeinsames Ziel: Die grenzüberschreitende Unterstützung der Idee dreidimensionaler Kunst. Wir möchten ganz konkret Interesse, Verständnis und im besten Fall auch Liebe wecken für die Arbeit der Künstler.

Liebe auf den ersten Blick ist ja eher ein Einzelfall. Oft kommt meine Leidenschaft für ein Kunstwerk erst mit der Geschichte, die dahinter steckt. Ich ermuntere daher alle Kunstfreunde immer wieder dazu, den Dialog mit dem Künstler zu suchen. Dieser Zugewinn an Urteilsvermögen und Schärfung des Blicks macht Freude und erleichtert das Sammeln von Kunst.

Dieser Gedanke verbindet uns auch bei sculpture network und kommt in unseren Begegnungen immer zur Entfaltung. Dies spüren die Partner besonders bei unseren internationalen Zusammenkünften, bei denen Sprachbarrieren durch die gemeinsamen Interessen und Überzeugungen locker überwunden werden. Und ich blicke zuversichtlich auf den weiteren Verlauf einer Liebesgeschichte, die hoffentlich noch an vielen Orten Leidenschaft entfachen wird.

Ralf Kirberg mit Hildburg Kirberg
Bei einer Ausstellung von Alberto Banuelos

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